Zwischen Skulptur und Malerei In diesem Spannungsverhältnis entwickelt sich in den letzten 10 Jahren das Werk des ursprünglich den Weg des Architekten eingeschlagenen Westfalen, der dann aber recht bemerkte, dass es ihn doch zur bildnerischen Kunst zog, und so nahm er sich ab 1979 autodidaktisch der Malerei an. Er ist, das wurde schon gesagt, Westfale, Anfang September 1946 geboren, also eine Jungfrau, ein wenig kann man das auch in seinem Werk spüren. Er studierte zunächst Architektur in Berlin, und nach 10 Jahren entscheidet er sich Malerei auszuüben. Ein weiteres Dezendum vergeht und er spürt,dass Malerei nicht mehr das einzige Allerheilmittel ist, in dem er sich vermittelt, und er beginnt, sich auch wieder autodidaktisch der Skulptur, der Bildhauerkunst zu zu wenden.Der Großstädter entscheidet sich nach der Wende seine Zeit in Berlin abzubrechen und siedelt sich hier an. Fast zehn Jahre ist das her, 1993 entdeckte er in Görzhausen, der Nachbarschaft von Burg Schlitz in Mecklenburg Vorpommern, einen Schafstall und sagt: „Das ist es, hier entsteht meine Werkstatt, mein Atelier, hier werden Ausstellungen gemacht, hier will ich leben.“In der Tiefe liegt das Geheimnis. Wilfried Duwentester malt mit Kaffeesatz; also mit dem Rückstand des Kaffee kochens. Angefangen hat das Ganze mit dem Sand, den er mit Farben mischt um dort eine gleichmäßig pigmentierte Oberfläche zu bekommen. Verschiedentlich macht er das heute noch, aber der Kaffee hat hier eindeutig Priorität. Und er verleiht der Oberfläche die fast makellose Farbigkeit Monochromie, die eine Tiefe suggeriert, die mehr ist als die Leinwand schlechthin bietet. Es ist eine Tiefe, aus der Duwentester letztendlich auch die Kraft für seine Malerei zieht. Nicht umsonst gibt er dieser Ausstellung den Titel: In der Tiefe liegt das Geheimnis. Was ist nun damit gemeint, was können Sie sich darunter vorstellen, wenn ein Maler davon spricht, in der Tiefe liegt ein Geheimnis? In erster Linie geht es um eine Definition des Raumes, aus der ganz spezifischen Sicht von Wilfried Duwentester. Wenn Sie sich ein solches Bild anschauen, dann wird es Ihnen zunächst einmal flächig erscheinen. Aber wenn Sie genau hinschauen, dann werden Sie merken, dass hier eine imaginäre Raumsituation gegeben ist,in der ein Lichtschlitz existiert. Es stellt sich die Frage: „Was kommt dahinter?“ Es ist ein Blau was durch das Rot dringt, eine andere Welt suggeriert, die hinter dem Rot liegt, oder ist es vielleicht umgekehrt, so, dass das Blau vor dem Rot schwebt. Logischer Weise ist es so, dass die hellere Farbe immer vor der Dunkleren liegt. Aber wenn man gerade bei Wilfried Duwentester sich die Malerei anschaut, dann sind es schwierige Grenzen, Räumlichkeiten. Es ist eine Tiefe, die suggeriert ein Dahinter, aber auch ein Davor und da liegt meines Erachtens auch das Spannungsmoment, aus dem heraus seine Malerei lebt. Natürlich, wenn man sich diese makellosen Flächen anschaut, mit den zarten farbigen Schlitzen darin, wird man automatisch an ein erotisches Moment denken und es wäre sicherlich grundfalsch, wenn man dies Duwentester nicht attestiert, sondern im Gegenteil: seine Malerei, seine Bildhauerei, lebt ganz entschieden auch von erotischen Momenten, natürlich auch in den Fotografien, dort ist es besonders augenscheinlich. Skulpturen Es sind Figuren, die der Fantasie entspringen, die einer Welt entspringen, die irgendwo angesiedelt ist, man muss nicht unbedingt definieren, wo sie sich befindet. Gestalten, die etwas Archaisches haben, die auch wiederum von ihm die Problematik des erotischen mit implantiert bekommen: Steinträger, Eiträgerin, natürlich sind das Synonyme; Mann und Frau aus einer archaischen Zeit möchte ich fast meinen. Aber auch seine großen Stelen, die er geschaffen hat, sind Ausdruck einer Auffassung von Kunst die mit Sicherheit nicht nur aus dem Jetzt entspringt, sondern sich auch in Bezug zu früheren Kulturen versteht. Fotografie Blau eingefärbte Akte, weibliche Akte, die durch die Einfärbung der Haut plastischer wirken. Es ist in erster Linie natürlich schon ein ästetisches Problem. Ein körperliches F‰nomen, welches Duwentester hier aufgreift und mittels der Fotografie umsetzt. Aber die geschieht nicht unabhängig von dem, was er in seinen beiden anderen Gestaltungsfeldern macht, also als Maler und als Bildhauer. Arbeitsweise Ausdruck ist etwas ganz Wesentliches für Duwentester. Er sagt, er muss Lust haben an der Arbeit, das Prinzip Lust im schöpferischem Prozess ist allgemeinhin bekannt, und diese „Lust zur schöpferischen Tat“ ist natürlich auch ein Stimulus, den Duwentester auch ganz klar benennt. Wenn man ihn danach fragt, was man denn unter „Geheimnis“ ersteht, dann bitte erwarten Sie keine konkrete Antwort. Geheimes ist letztendlich das, was ein Bild auch ausmacht. Die Tatsache nämlich, dass man es immer wieder neu entdecken kann, immer wieder Neues zu sehen ist, zu erleben ist, auch bitteschön, wenn man das Taktil berührt, dass man immer wieder hingehen kann, egal zu welchen Tageszeiten sich in sein Spannungsfeld hineinbegibt und dadurch auch die Lebendigkeit eines Kunstwerkes erleben kann. Wenn ein Kunstwerk nichts mehr zu sagen hat, ist es ausgebrannt, dann ist es bar jeden Geheimnisses, und das, meint Duwentester, ist nicht das was er will. Er arbeitet nicht mit rationellem Kalkül an der Sache, sondern ist ein Mensch, der sehr stark von Emotionen lebt.